Mit dem Pflanzhaus e.V. pflegen Schüler der Gemeinschaftsschule LEONARDO in der vierten Gartensaison ihre eigenen Beete.

Denke ich an meine Grundschulzeit zurück, dann ist der Schulgarten nicht sehr präsent. Wie oft waren wir dort? Vielleicht zwei mal? Dafür kann ich mich an diese wenigen Besuche erstaunlich gut erinnern. Mich begeisterten die Kräuter, die wir riechen, erkennen und mitnehmen durften. Neben der Freude an dem, was da so wuchs, war da aber auch dieses doofe Gefühl: Das hier ist ein Ort für Erwachsene. Die Geräte sind groß. Zu groß. Anfassen dürfen wir nichts ohne Erlaubnis… Im Nachhinein frage ich mich, ob unsere Lehrerin vielleicht sogar so lieb war, uns in ihren Privatgarten mitzunehmen.

Schulunterricht unterm Jenzig

Schulgarten mit dem Pflanzhaus e.V.

Bemalte Tontöpfe aus dem Werkunterricht zeigen, wem welches Beet gehört.

Der Schulgartenunterricht mit dem Pflanzhaus e.V. wirkt dagegen wie ein Kontrastprogramm: kindgerecht und praxisorientiert. Mitmachen und mitgestalten ist selbstverständlich. Auch Gießkannen, Spaten und Rechen gibt es in Kindergröße. Die Klasse teilt sich in Gruppen von drei bis vier Schülern auf, die jeweils ein ganz eigenes Beet anlegen und pflegen. Im Werkunterricht haben die Kinder deshalb Tontöpfe gestaltet.

Pflanzhaus Jena Garten unterm Jenzig

Jede Gruppe bepflanzt und pflegt ein eigenes kleines Beet. In der Mitte gibt es eine Fläche mit Gründüngung.

 

Die Klasse 3a besucht den Schulgarten bereits seit dem ersten Schuljahr und ist daher mit vielen Abläufen bereits vertraut. Alle drei Wochen sind die Kinder für zwei Stunden hier. In den Wintermonaten findet der theoretische Schulgartenunterricht im Klassenzimmer statt.

Unkrautjäten im Schulgarten

Das gehört auch dazu: Unkrautjäten im Schulgarten.

Das Gartenjahr beginnt gerade erst, als ich Anfang März zu Besuch bin, und für die Klasse ist es eine der ersten praktischen Schulstunden nach der Gartenpause im Winter. Susi* und Lene* sind heute nur zu zweit am Beet. Ich frage, ob sie den Schulgarten mögen. “Ja! Aber Unkrautzupfen ist so anstrengend.” Am Nachbarbeet wird gerade ein Regenwurm vor der Schaufel gerettet. “Knobi, Knobi, Knobi!” Noch ein Beet weiter pflanzen die Jungs bereits die vierte Knoblauchpflanze. Wer mit dem Umgraben fertig ist, holt sich vom Kompost neue Erde.

Pflanzhaus Jena

Direkt aus dem eigenen Garten: neue Komposterde.

Sauerampfer und Erdbeeren

In vielen Bundesländern ist der Lernort Schulgarten ein Bestandteil anderer Fächer und wird so beispielsweise im Lehrplan für den Sachunterricht geregelt. In der DDR gehörte das Fach Schulgarten zum Schulalltag. Außer Thüringen behielt nach der Wende keines der ostdeutschen Bundesländer das Fach bei. Somit ist Thüringen das einzige Bundesland, in welchem Schulgarten ein obligatorisches Schulfach ist. Thüringer Grundschulen haben deshalb in der Regel Zugang zu einem Garten. Die individuellen Gegebenheiten sind jedoch sehr unterschiedlich.

Der Pflanzhaus e.V. bewirtschaftet zwei Parzellen im Kleingartenverein “Am Ostbad” unterhalb des Jenzigs. Neben den Gruppenbeeten der Kinder wird noch mehr angebaut. Die Kinder helfen hier auch Saatgut zu gewinnen. So sind aus dem letzen Jahr noch reichlich selbst gesammelte Tütchen mit Ringelblumensamen vorrätig. Im Herbst lädt der Verein dann Schüler, Eltern, Lehrer und Gartennachbarn zum Abschluss der Gartensaison ein. Lene erzählt mir davon, dass sie dafür im letzten Jahr selbst Brennnesselchips gemacht haben.

Der Biologe und Naturpädagoge Thomas Pohler legt wert auf eine naturnahe Bewirtschaftung. Neben einer Fläche mit Gründüngung gibt es daher auch eine kleine Bienenweide. Mehrere Kinder fragen, was es mit den dazugehöherenden Schildern auf sich hat. Am Ende der Stunde erklärt der Naturpädagoge, dass bedrohte Insekten hier Nahrung finden können.

Bienenweide im Schulgarten

Naturpädagoge Thomas Pohler erklärt, warum hier eine Bienenweide entsteht.

 

Als Thomas Pohler fragt, was die Kinder noch auf ihren Beeten anbauen möchten, antwortet Reih um jede Gruppe. Immer wieder stimmen Mitschüler dann in einem Echo an: “Oh ja, Sauerampfer und Erdbeeren!” Hier wird deutlich, dass der Unterricht auch einen Beitrag zur Ernährungsbildung leistet. Außerdem lernen die Kinder heimische Gewächse in ihrer Saisonalität kennen.

* Die Namen der Kinder wurden geändert.